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CVD

Ein im Labor gezüchteter Diamant in Form eines rohen Naturdiamanten – was zeigt das eigentlich?

Orloff · 16.10.2026

Illustrativ bild av tre klara CVD-diamantkristaller i rå kristallform

Ein neuer gemmologischer Bericht beschreibt einen im Labor gezüchteten Diamanten, der so bearbeitet wurde, dass seine äußere Form einem natürlichen Rohdiamanten ähnelt. Die Überschrift klingt dramatisch. Was zeigt die Untersuchung – und was zeigt sie nicht?

Ein ungewöhnlich gut dokumentierter Fall

In der Frühjahrsausgabe 2026 von Gems & Gemology beschrieben Nick Davies, Sema Firat, David Fisher und Thoufieq Shaik einen farblosen bis nahezu farblosen CVD-Diamanten mit 6,87 Karat. Den Autoren zufolge war dies nach ihrem Kenntnisstand der erste berichtete Fall, in dem ein synthetischer CVD-Diamant bewusst in die Form eines natürlichen Rohdiamantkristalls gebracht wurde.

Auf den ersten Blick sah er wie ein achteckiger Kristall aus, doch bei genauerer Untersuchung im Labor stimmten die ebenen Flächen und die Ausrichtung des Kristalls nicht mit einem natürlichen Oktaeder überein. Fortschrittliche Analysen und Lumineszenzaufnahmen zeigten, dass er im CVD-Verfahren gezüchtet worden war.

Was der Bericht nicht sagt

Die Autoren schreiben ausdrücklich, dass ihnen keine Belege für einen weitverbreiteten Austausch von synthetischen und natürlichen Diamanten in der Rohdiamantlieferkette vorliegen. Dies ist ein dokumentierter Einzelfall und kein Beweis dafür, dass ein solches Vorgehen in großem Umfang stattfindet oder dass ein gewöhnlicher, fertig geschliffener Diamant nicht identifiziert werden kann.

Der Bericht zeigt jedoch, warum die äußere Form, das Gewichtsempfinden oder ein kurzer Blick allein nicht ausreichen, um Rohmaterial sicher zu identifizieren. Gemmologen verwenden Laboruntersuchungen und spezialisierte Instrumente, wenn die Herkunft festgestellt werden muss.

Warum einen solchen Fall veröffentlichen?

Für den Handel und die Labore ist es relevant, von neuen Methoden zur Bearbeitung von Materialien zu erfahren. Doch ein solcher Fund sollte in der richtigen Relation dargestellt werden: Ein mögliches Risiko, auf das man achten sollte, ist nicht dasselbe wie ein Beweis für eine gängige Marktpraxis.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Autoren bei De Beers Science & Technology tätig sind. Das macht die Untersuchung nicht ungültig, ist jedoch ein relevanter Hintergrund, wenn man beurteilt, wer hinter dem Bericht steht und welche Schlussfolgerungen tatsächlich gezogen werden.

Was Kunden beachten sollten

Beim Kauf eines fertig geschliffenen Diamanten sollte die Herkunft durch einen Bericht eines anerkannten Labors belegt sein und die Berichtsnummer überprüft werden. Wenn Fragen zur Herkunft eines Rohdiamanten oder zu seiner Identität mehr aufwerfen, als die Dokumente auskunftsfähig sind, sollte der Verkäufer dies klar kommunizieren und auf eine fachkundige Laboruntersuchung verweisen.

Die sachliche Schlussfolgerung ist nicht, dass alle Diamanten verdächtig sind. Sie lautet, dass eine zuverlässige Identifizierung auf Untersuchungen und Dokumentationen beruht – nicht auf einer überzeugenden Geschichte oder dem äußeren Erscheinungsbild eines Steins.

Quelle

Nick Davies, Sema Firat, David Fisher und Thoufieq Shaik, “CVD Synthetic Fashioned to Imitate a Rough Natural Diamond”, Gems & Gemology, Frühjahr 2026, Band 62, Nr. 1. Die Autoren sind bei De Beers Science & Technology tätig. Lesen Sie den Bericht bei GIA.

O.
OrloffGIA Alumni · The Nordic Diamond Broker
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